Bundesimmissionsschutzverordnung: Sonderfall hist. Sparöfen

Der „rote Faden“ in der Sammlung Hoffmeister lautet: Feuer – Herd – Ofen, Geschichte(n) der Energieeffizienz. Verschiedenen Anfragen an den Autor ist zu entnehmen, dass die Bundesimmissionsschutzverordnung (BimSchV) in einzelnen Fällen zu Verunsicherungen geführt hat, wenn es um den Anschluss eines historischen Ofens ging. Bewohner, die sich für den Erhalt eines historischen Ofens einsetzen und damit einen Beitrag zur Bewahrung wertvoller Kulturgüter leisten, oder aber auch umweltbewusste Bürger, die einen hocheffizienten historischen Sparofen einem neumodischen Kaminofen vorziehen, berichten, dass nicht alle Bezirksschornsteinfeger den Anschluss eines solchen außergewöhnlichen Ofens mit Begeisterung befürworten. Spätestens die Inbetriebnahme konnte Kritiker meistens überzeugen:

Ein auffallend geringer Brennstoffverbrauch und ein sauberer Kamin zeigt, zu welchen Meisterleistungen die alten Ofenbauer im Stande waren.

Als fachkundiger Sammler (seit 1979), der

  • im Besitz von über 150 Öfen und entsprechender Originalliteratur ist,
  • selber auch einen Sparofen betreibt und
  • in einer musealen Ausstellung an unzähligen Exponaten die Entwicklungsschritte zur Energieeffizienz konkret belegen kann,

möchte ich mit dieser praxisbezogenen und fachkundlichen Stellungnahme eine Hilfestellung für eine Anschlussgenehmigung geben. Hilfreiche Aspekte, um zu einer einvernehmlichen Lösung für alle Beteiligten zu gelangen, sind:

  • Ermessenspielräume im Abnahmeverfahren,
  • Kenntnisse über physikalische und heiztechnische Gesetzmäßigkeiten,
  • die Tatsache, dass es sich hier um seltene Sonderfälle handelt und
  • die Berücksichtigung der in der BimSchV erwähnten Sonderregelung für Öfen vor 1950.

Nicht nur die Umwelt, auch die Verbraucher sollen durch Zertifikate und Zulassungsnummern vor schlechten Öfen und Herden der letzten Jahrzehnte geschützt werden, das macht Sinn. Historische Öfen verfügen jedoch weder über ein Umweltzertifikat noch über eine Zulassungsnummer, um in die Reihe moderner Öfen formal eingestuft und bewertet werden zu können. Dieser Umstand berechtigt aber nicht dazu, sie vom Betrieb auszuschließen, schließlich können auch andere Kriterien zu einer sachgerechten Beurteilung führen.
Die Beispiele einer Zulassung historischer Automobile im Straßenverkehr oder der Betrieb historischer Dampflokomotiven belegt, dass neu gesetzte Normen nicht immer pauschal Anwendung finden, sondern Ausnahmen die Regel sind. Hinter Ausnahmen stehen gewichtige Gründe, die sich allerdings nicht immer jedem sofort erschließen.

Die Genehmigung zum Anschluss eines historischen Ofens stellt so eine Ausnahme dar und ist kein formaler Akt, sondern ein Ergebnis des Abwägens. Da ist zum einen der hohe Wert des historischen Ofens, der sich daraus ergibt, dass es sich um eine einzigartige, zumindest aber seltene Antiquität handelt und nicht um eine Massenware. Eine Sonderstellung erhalten viele Öfen auch dadurch, da sie aus der Hochzeit der Ofenbaukunst stammen und einige unübertroffene Eigenschaften im Vergleich zu modischen Kaminöfen besitzen. Derartige aufwendige Konstruktionsmerkmale dienten dem Zweck höchster Effizienz. Übertragen auf Öfen unserer Zeit wären moderne Öfen erheblich teurer und kaum noch massenhaft zu vermarkten. (Ein namhafter Hersteller teilte mir mit, dass ein Ofen nicht teurer als ein durchschnittliches Monatsgehalt kosten dürfe.)

Alleine die Konstruktionsmerkmale historischer Sparöfen machen augenfällig, dass diese den Anforderungen des Immissionsschutzes standhalten. Diese Öfen sind das Ergebnis einer mehrere hundert Jahre fortschreitenden Entwicklungsgeschichte. Zwar stand dabei der Gedanke an das Klima noch nicht im Vordergrund, aber in besonderem Maße das konsequente Streben nach Wirtschaftlichkeit („Hauswirtschaft“) im Sinne der Energieeffizienz. Eine hohe Effizienz ist stets auch ein Indikator für geringe Emissionen. Emissionen lassen sich nur schwer messen – Effizienz lässt sich hingegen von Konstruktionsmerkmalen ableiten. Man muss nur diese augenfälligen Merkmale zur Kenntnis nehmen (wollen).

In Beratungsgesprächen ist immer wieder die Rede vom „umweltfreundlichen Heizen“. Grundsätzlich kann der Verbrauch von Energie – sei es bei einem Auto oder bei einem Ofen – nicht als „freundlich“ für die Umwelt bezeichnet werden. Das Wort „umweltfreundlich“ beschreibt hier unser Bemühen, der Umwelt und nachfolgenden Generationen weniger Schaden zuzufügen…

Drei Kriterien haben beim Heizen mit Öfen eine Bedeutung für die Umwelt:

  1. Umweltbelastungen werden immer dann reduziert, wenn durch einen geringen Brennstoffbedarf die gleiche Raumwärme erzeugt werden kann (Wirkungsgrad, Effizienz).
  2. Schadstoffbelastungen werden geringer, wenn eine höhere Verbrennungstemperatur erreicht werden kann.
  3. Mit einer besseren Brennstoffausnutzung schonen wir nicht nur Ressourcen, sondern auch das Klima dadurch, dass mehr Bäume für die Sauerstoffproduktion erhalten bleiben.

Die Menge an Holz, die den natürlichen Wachstumskreisläufen entnommen wird, nimmt zu. Grund sind die Zunahme an Holzfeuerungsanlagen, steigende Energiepreise, Bedarf in der Möbel- und Papierindustrie, Biogasanlagen usw. Der fehlende Bedarf wird z. B. durch zusätzliche Einfuhren aus osteuropäischen Ländern gedeckt. Dort fehlen jedoch Kontrollen für eine nachhaltige Forstwirtschaft. Auch zeichnet sich jetzt schon ein Verlust an einzelnen Bäumen der offenen Landschaft, Obst- und Zierbäume der Gärten ab, denn sie werden nicht wie die Wälder durch Forstgesetze geschützt. Der Verlust für die Umwelt ist sehr vielfältig und noch nicht absehbar.

Mit Holzsparöfen nach historischem Vorbild, die einen unübertroffenen Brennwert haben, könnte man dieser negativen Entwicklung entgegenwirken. Die Konstruktion dieser Öfen zielte damals darauf ab, „das Geld nicht zum Schornstein hinauszuwerfen“.
Der Gebrauch solcher Öfen musste damals nicht durch Verordnung erzwungen werden. Im hart umkämpften Markt der Ofenfabrikanten wurden Öfen nicht mit Leistung (kW), sondern Sparsamkeit (Wirkungsgrad) beworben. Aufgrund der nachhaltigen Betriebskostenersparnis und der Umweltverträglichkeit würden diese Öfen heute wohl mit der Note A++ klassifiziert werden. Während kleinste LED-Lampen in Effizienzklassen eingeteilt werden, sucht man solch hilfreiche Angabe bei Kaminöfen im Kilowattbereich immer noch vergebens.
Die Konstruktionsmerkmale eines modischen Kaminofens werden heute von einem wesentlichen Aspekt bestimmt: Die Sichtbarkeit des Feuers. Die Größe der Glastüre hat hier eine ähnliche Bedeutung wie die Ausmaße des Bildschirms eines Fernsehers. Der marktorientierte Handel hat diesen Trend aufgegriffen und (nach dem Vorbild des Urofens) den alten Kastenofen mit einer möglichst großen Glasscheibe ausgestattet. Der historische Kastenofen stand vor über 400 Jahren am Anfang einer Entwicklungsgeschichte. Im weiteren Verlauf war er dann als „Holzfresser“ verschrien. Im Prinzip bestand dieser Ofen nur aus einer großen Brennkammer. Die Möglichkeit, auch aus den heißen Rauchgasen Wärme dem Raum zuzufügen, fehlte. Da der Wirkungsgrad dieser Öfen sehr gering war, musste dies durch die Größe des Brennraums und entsprechendem Holzverbrauch ausgeglichen werden. Dies war damals Stand der Technik.

In seinen Umrissen gleicht der moderne Kaminofen dem Urofen und er besteht aus einer überdimensionierten Brennkammer mit einer überdimensionierten Türe aus Glas.

Ist dies nun ein Sparofen?

Natürlich kann man mit diesen Öfen auch Heizkosten parallellaufender Zentralheizungen einsparen. Die Frage müsste aber lauten, wie optimal dies geschieht. Auch eine gut eingestellte Gastherme dürfte effizienter und mit einer vielfach geringen Feinstaubbelastung arbeiten. Natürlich wurden moderne Kaminöfen anfänglich als umweltfreundlich bezeichnet, wenn sie offene Herdfeuerstellen ersetzten, die einen Wirkungsgrad von nur 10 – 15 % haben. Außerdem wurden sie häufig nur zu besonderen Gelegenheiten betrieben.

Ein effizienter Sparofen besteht aus zwei Teilen: Eine kleine Brennkammer und ein großes Rauchzirkuliersystem

Lebensbedrohende Umstände trieben die Entwicklung von Sparöfen voran. Bevölkerungszuwachs, Bedarf an Bauholz, Industrialisierung, Eisenhüttenwesen, Holzkohle- und Salzgewinnung, Herstellung von Bahnschwellen und Grubenholz führten zur Abholzung ganzer Waldgebiete. Es war unverzichtbar, darüber nachzudenken, wie der Brennwert der Feuerstätten verbessert werden konnte. Wie konnte man bei gleicher Raumheizleistung weniger Brennstoff verbrauchen? Es entstanden Holzsparvereine und sogar Wettbewerbe für sparsame Öfen wurden ausgeschrieben. Am Ende technischer Verbesserungen gab es den (historischen) Sparofen. Er ist ein in zwei Teile gegliederter Ofen. Er besteht aus einer Brennkammer und einem nachgeschalteten Rauchzirkuliersystem. Die Erkenntnis, dass Rauchgase noch sehr hohe Temperaturen haben, gibt es nicht erst heute. Die effektive Nutzung der Restwärme in den Abgasen war damals bei der Verbrennung von Feststoffen wie Torf, Holz oder Kohle genauso revolutionär wie die heute eingeführte Brennwerttechnik bei Gas- oder Ölheizungsanlagen.

Zirkulierofen mit relativ großer Brennkammer
und aufgesetzter Rauchgasführung

Eine Wärmebildaufnahme, die uns freundlicherweise
vom Kachelofen- und Keramikmuseum Velten zur
Verfügung gestellt wurde.

Sogenannte historische „Sparöfen“ oder „Sparherde“ haben selbst für einen Laien ein unverkennbares Merkmal: Einer relativ kleinen Brennkammer steht ein relativ großes Rauchzirkuliersystem gegenüber. So gibt es Zirkulieröfen mit einer Höhe von 2,40 m, die lediglich über eine Brennkammer in der Größe eines mittelgroßen Schuhkartons verfügen.

Der übergroße holzfressende Brennraum konnte nun in den Maßen reduziert werden, wie die Effizienz des Ofens durch vergrößerte Abstrahlflächen gesteigert wurde. Das, was sonst ungenutzt zum Schornstein hinaustritt, zeigt die Wärmebildaufnahme oberhalb der unteren Brennkammer. Die Brennkammer ist zudem noch ungewöhnlich groß, denn ein identischer Ofen heizte z. B. die nicht gerade kleine Bibliothek des Klosters Corvey an der Weser (Weltkulturerbe). Ein weiterer positiver Effekt bei Sparöfen ist, dass kleinere und vor allem gut ausgefüllte Brennkammern die Verbrennungstemperatur begünstigten. So wird die Belastung durch unverbrannte Schadstoffe vermindert (vgl. Müllverbrennung). Auch eine sehr genaue Luftregelung und Luftführung verbessern den richtigen Abbrand (Regulierschrauben für Primär- und Sekundärluft) und Riegelspannschrauben lassen den Abbrand exakt steuern. Da modische Kaminöfen in der Regel nicht mit der Nennleistung betrieben werden können, weil sie viel zu groß sind und ihre konstruktiven Hauptmerkmale der Optik (große Glastüre) geschuldet sind, reduziert sich im praktischen Gebrauch der Wirkungsgrad erheblich. Es ist im Prinzip so, als würde man mit einem 500er-Mercedes mit 30 km/h durch den Ort fahren und nun behaupten dürfen, dass sei effizient und umweltfreundlich. So kann auch ein kleiner alter Ofen aus den 50er-Jahren in einem kleinen Raum vorteilhafter sein, als ein neuer, aber dafür überdimensioniert Kaminofen. Auch die Länge des Ofenrohrs spielt bei der Frage nach der Gesamteffizienz eine Rolle, und der Ofen muss nicht direkt vor dem Kamin stehen, d. h. auch ein längeres Ofenrohr verbessert die Bilanz.

Die fachliche Kompetenz des Schornsteinfegers ermöglicht es ihm, die Summe aller Aspekte zu betrachten und zu einer sachgerechten Beurteilung zu gelangen. Die pauschale und allgemein gern übernommene Behauptung, neuzeitliche Kaminöfen seien umweltfreundlich, muss also in jedem Einzelfall kritisch hinterfragt werden. Die Berechtigung dieser Aussage hängt immer davon ab, worauf sie sich bezieht. Historische Sparöfen hingegen sind nicht nur effizienter als offene Feuerstellen, sondern setzen mit dem System einer Rauchgasnutzung den schon vor langer Zeit erreichten Kenntnisstand technisch genial um. Das Bundesumweltamt sollte sich der Thematik widmen und ähnlich wie bei Kraftfahrzeugen auf Hersteller Einfluss nehmen. Was die Schornsteinfeger betrifft, sind die meisten begeistert, eine solide, schon bewährte und hocheffiziente Heizstätte aus der Hochzeit der Öfen und Herde in Betrieb nehmen zu lassen. Zum Schutz der Umwelt und der Verbraucher ist die Bundesimmissionsschutzverordnung unverzichtbar, damit die Öfen und Herde nicht immer schlechter werden. So gelten ab 2015 strengere Auflagen für Holzöfen, aber „[…] nicht betroffen seien historische Einzelraumfeuerungsanlagen, die vor dem 1. Januar 1950 hergestellt oder errichtet wurden.“ (dpa, Quelle: Münstersche Zeitung vom 06.12.2014, http://art.hki-online.de)
Weitere Hinweise im Aufsatz „Vom Feuertier zur Ofenglut“, falls sie sich für dieses Thema haben „erwärmen“ lassen…