Mitte 19. Jahrhundert, Höhe 2,40 Meter

Öfen dieser Größenordnung heizten große Räume in Klöstern, Herrenhäusern, Schlösser oder Burgen. Der Ofen zählte zu den teuersten Einrichtungsgegenständen, und an den Verzierungen wurde - ähnlich wie bei Möbeln - nicht gespart. Es wurde dabei auch auf griechische und römische Ornamente zurückgegriffen.

Akanthusblätter zieren die Krönung und dienen als Füße bei diesen deutschen Kunstgussöfen. Girlanden gliedern den Säulenaufsatz. Die großen Zylinder werden durch geschwungene Linien aufgelockert. Diese kreuzen sich und bilden Formen, die an die Spitzbögen gotischer Kirchenfenster erinnern. Die vier Seiten der Brennkammer

werden zurückhaltend durch die plastische Darstellung von Köpfen (Engel?) verziert. In den Ecken finden wir florale Naturformen. Waffelähnliche (maurische) Flächenmuster und perlenförmige Bandmotive des Gussofens schaffen Schattierungen und Reflexionen. Dieses Lichtspiel nimmt dem Rauchaufsatz des Kunstgussofens die Wuchtigkeit. Dieser Ofen erfüllte nicht nur eine Funktion, sondern wurde mit diesen aufwändigen Ornamenten zu einem repräsentativen Schmuckstück.

Innovative Ofentechnik

Der postamentähnliche Saalofen gliedert sich unter technischen Gesichtspunkten in eine 8-eckige Brennkammer und den säulenförmigen Rauchaufsatz. Die raumseitige Bedienung des Ofens erfolgte über zwei Türen ohne Luftregelvorrichtungen. Die großvolumige Brennkammer dürfte wohl mit Holz beheizt worden sind. Eine Besonderheit des Ofens ist eine zusätzliche, rechteckige Öffnung in der hinteren Wand der Brennkammer. Ursprünglich bestand hier eine schachtähnliche Verbindung, die vom Ofen aus durch die Steinmauer zu einem Nebenraum, Flur oder nach außen führte (Ofenhals). Damit war es möglich, den Ofen nicht nur über die Türe, sondern auch von hinten zu befüllen („Hinterlader“).

Folgende Vorteile ergaben sich:

  • Im beheizten Gebäudeteil müssen keine Brennstoffe gelagert bzw. herbeigebracht werden (Schmutz, Schadinsekten).
  • Die Raumluft wurde beim Anfeuern oder Belegen nicht durch Rauch beeinträchtigt.
  • Die erforderliche Verbrennungsluft wurde nicht dem beheizten Raum entnommen.
  • Der Heizer oder das Personal hatte nicht ständig Zutritt zum Raum, so dass die Privatsphäre gewahrt wurde. (Schutz der Intimsphäre, Mithören, Unruhe, Zugluft etc.)

Der Hinterlader hatte also gegenüber dem offenen Herdfeuer erhebliche Vorzüge, was die Wohnqualität betraf. Aber auch energietechnisch war die geschlossene Feuerstätte (Ofen) dem offenen Herdfeuer weit überlegen:

  • Keine extreme Verschwendung von Brennstoffen
  • Keine Brandgefahr
  • Keine Beeinträchtigung der Wohnsituation durch Rauch, Schutz, Geräusche, Zugluft etc.

Vergessene Brennwerttechnik für Feststoffe?

Der voluminöse säulenförmige Rauchaufsatz im oberen Teil des Ofens sollte nicht nur dem objekt eine prunkvolle Optik verleihen, sondern war von erheblicher energietechnischer Bedeutung. Anstelle eines üblichen kurzen Ofenrohres mit geringem Umfang sorgte dieser voluminöse Rauchaufsatz dafür, dass ein optimaler Energieaustausch von dem heißen Rauch zur Raumluft erfolgte.

Die Ausnutzung der Wärmeenergie in den Brennstoffen (Wirkungsgrad) hängt erheblich von der Nutzung der bis zu 1200 Grad(!) heißen Rauchgase ab (siehe auch Brennwerttechnik!). Im Normalfall geht diese Energie ungenutzt zum Schornstein hinaus. Gewaltige Rauchaufsätze vermindern diesen Energieverlust erheblich. Die Wärmeabgabe an die Raumluft wird größer, beziehungsweise der Brennstoffverbrauch spürbar gesenkt.

Um dieses Ziel noch weiter verbessern zu können, hatte der Ofen noch eine bautechnische Besonderheit, die sich unserem Auge verschließt: Im Zentrum des Rauchaufsatzes befindet sich ein gusseisernes Innenrohr. Es verbesserte die Strömungsverhältnisse in den großen Zylindern und sorgte dafür, dass der .heiße Rauch unmittelbar an den Außenwänden vorbei geführt wurde. So konnte die Hitze besser an die Raumluft übertragen werden, ehe der Rauch nutzlos zum Schornstein hinaus entlassen wurde. Da das Innenrohr außerdem oben geöffnet war, konnte die Raumluft so auch in das Zentrum des Ofens gelangen und sich an der Innenoberfläche zusätzlich erhitzen.

Die Konstruktionsmerkmale dieses frühen Ofens sind ein Beleg darauf abzielte, dass ein optimaler Wärmeaustausch von den erfolgte. Der Einsatz solcher Techniken lässt den Schluss zu, Jahrhunderts die Brennstoffersparnis eine größere Bedeutung insbesondere für gebildete und wohlhabende Schichten.

Der im Stift Asbeck ausgestellte Ofen zählt nicht zum Originalbestand des Gebäudes. Die bestehende Ofengrotte mit einer Kaminöffnung ist jedoch ein Hinweis dafür, dass hier ein ähnlicher Ofen gestanden hat. Eine zurzeit noch ausstehende Bauforschung könnte Aufschlüsse über Ofentyp, Ofengröße und heiztechnische Aspekte geben.